Am Ende der unendlichen Wendeltreppe. Und noch ein paar Stufen zu berichten
Und am Ende steht eben doch nicht das Ende. Ich glaube, selbst mit den Büchern, deren Rücken sich uns dann entgegenwendet, wenn wir die letzen 3 schwarzen Symbole als „Fin“ entziffert hat, ist das nicht so. Da ist mehr. Zu den Büchern lässt sich sagen, dass sie sich dann weiter in unseren Köpfen entwickelt und uns zumindest mit einem Hauch von Erinnerung uns das Leben lang begleitet…
Und jetzt kommt das Ergreifende – jetzt steh ich doch tatsächlich hautnah, ganz fleischlich wahrhaft echt und real in der Situation, in der Lebenslage, dass auch mein Jahr, meine Erfahrung, ‚nur’ noch eine Erfahrung ist. Sie wird nicht grossartig verblassen, auch wenn sie schon jetzt nach nur 91 Stunden entrueckt scheinen. Heute morgen bin ich aufgewacht, und ich fragte mich, ob ich tatsächlich weg war. Oder wann.. oder wie ich jetzt nicht mehr das gleiche Lebensgefühl haben kann. Und am meisten von allem steht da Ungläubigkeit geschrieben. Es kann nicht sein. Nein, nein, absolut unmöglich. Definitiv auszuschliessen. Und doch bin ich hier. Und doch leb ich wie gehabt. Und doch gefällt es mir. Aber Thailand findet hier keinen grossen Platz. Bei mir im Herzen schon, in meinem Munde ebenfalls (und alle, die Interesse und Gehör geben, sollen von den mir unbekannten Mächten jenseits der mir bekannten Mächten gesegnet sein!).
Ich möchte nun aber etwas gegenständlicher werden.
Fangen wir mal hinten an, da wo ich es für nötig halte.
Die letzen Tage. Sie bildeten neben den ersten die krasseste Kontrastierung zu meinem doch gekonnten Thaidasein. Schulfreunde weinten, man genoss noch die Zeit nach der Schule. Im Grunde wusste ich, dass sie nicht die Zeit überdauern würden, und tatsächlich hatten wir bis nun noch keinen Kontakt. Allerdings bin ich auch nicht sehr Computeraktiv zur Zeit, und schon gar nicht am eigenen Gerät. Geschenke wurden getauscht, das Thema der Abreise kam immer wieder in die Gespräche.
Das Abschiedsdinner. Alle Lehrer, eben das Englishdepartment. Selbst der Co-Direktor höchst in hochehrungswürdiger Person war anwesend. Geschenke, eine kleine Dankesrede aus dem Stehgreif, ein ‚Zeugnis’ (dessen ich mich schämte, es dem Sekretariat der heimatlichen Bildungsanstalt vor den Kopierer legen zu müssen, Photos. Und eine grossartige Erfahrung – meine Advisorin, die ich natürlich stets sehr gemocht hatte, die ‚rein geschäftlich gesehen’ sehr angenehm war, eben diese Person, die immer im Hintergrund war (ich erfuhr später auf der Thai-Nachbereitung, dass AFS den Vertrauenslehrer einprägt, sie sollen Engel für uns sein, und wir seien unter ihren Flügeln[wenn auch immer alle anderen uns aufgeben, solle sie stets der ruhige Flucht-Pol sein]). Eben diese Frau löste in mir eine Lawine aus, bei ihrem Anblick konnte ich während meiner Worte nur schwer die Tränen zurückhalten. Warum erstaunte ich mich? Weil ich mir doch einredete, nicht unbedingt traurig zu sein. Weil ich in dem Moment keines Falls Erinnerung und eine Filmähnliche Revue des Jahres und unserer Beziehung vor die schleierhaften Augen rief. Mein Kopf war leer. Und ich stand neben ihr, und sie sah mich an, es und es war gut.
Der vorletzte Tag in der Schule –in deren Genuss ich Dank des perfektionsverdächtigen Timing noch 3 weitere, ja, letzte Tage [wann auch immer ich wieder komme, es wird nie das Gleiche sein, ich werde nie wieder der gleichrangige, integrierte Uniformträger sein] kam- stellte sich quasi als meinen letzten heraus. Verwirrt? War ich in dem Moment auch. Morgens kam eine Lehrerin beim Assembly zu meiner Reihe und sagte mir, ich solle nun meine Rede halten. Das war ein Missverständnis, was aber keinen interessierte und sowieso nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Die Blumen waren schon in der Hand von Ajan Arunocha, und meine Knie schlabberten wie im Comic gany herrlich vor unvorbereiteter Aufregung. Wo ich mich doch auf diesen Moment gefreut hatte, noch mal allen meinen.. Dank? Meine Bewegtheit? Mein Erfahrungsvolumen? Nun, um mich ihnen allen, die 3611 Schueler, die doch nun schon die seltsam und gelogen klingende Zeitspanne von einem Jahr meine Kameraden waren, die mich genervt, gerufen, angefasst, angefreundet, gelehrt hatten.
Und die Rede war gut. Sie war lustig, inhaltsvoll, gefühlt. Und damit mich niemand vergisst, liess ich meine Füsse beim Abgang an Stellen treten, an denen Boden gedacht, aber nicht vorhanden war, sodass ich flogg, mit den Schwingen ruderte, aufschlug, liegenblieb, von 3611 Leuten ausgelacht (Thais sind so..) wurde und aus Herzem mitlachte. Ich war nicht traurig, ich vermisste noch keinen, fühlte mich aber, als begriffe ich das Ausmass des Vorgangs nicht. Richtig!
Und das tat ich bis zu dem Zeitpunkt nicht, in dem ich im Lufthansa Flug LH711 von Suwhannaphumi-International-Airport nach einem interessantem Kampf mit den 30kilo Rucksäcken, den 5 T-Shirts auf dem Leibe, den 2 Beinkleidern, den 3 Hüten, den Metallkontroleuren, die ich beinahe totpiepte. Erst beim Einstig in diese enge Röhre bemerkte ich, was vorging. Die Stewardessen sprachen mich auf Deutsch an, AFS war ihnen natürlich wohlbekannt (wir trugen mit unserer provokant-übermässigen Bepackung quasi ein Brandzeichen auf den Leibern. Und sie waren so deutsch-höflich. Und ich erkannte den Purser wieder. Der Mann mit der für uns eingefleischt-thai erschreckenden Direktheit, der Gleiche eben.
Aber soweit war ich nach meiner Rede nicht im Traum. Ich wusste, dass ich heimfliegen würde, doch hatte ich keinen blassen Schimmer. Und dann sang meine Klasse in der letzten gemeinsamen Stunde ein Lied über ewige Freundschaft für mich. Und es folgte das Haus, die Koffer, das Auto. Ich stand vor dem Garagentor, dass unsere Haustüre mimte, schaute auf den Ort, den ich mein zweites Heim nennen darf, uns sagte leise in mich folgendes hinein ‚Machs gut, altes Haus’. Ich war nicht unangebracht albern, ich war am Anfang einer weiteren Etappe meiner Reise. Von einem Uferpunkt zum anderen mit unserem Lebenskayak. Und beim Auszug aus Phukhieo regnete es.
Es folgte Zeit. Und danach musste ich mich auch von meiner Familie verabschieden. Als sei endlich vom Hotel fahren wollten, stieg ich –wieder nicht aus Albernheit, sondern aus Illusionen, die ich mir machte- in den Wagen mit ein. Und auch dieser Schritt stellte sich anders als alle Erwartungen heraus. Und es kam wie es kam. So war also mein Jahr.
Nun noch das Camp. Als ob wir schlafen würden!
Jede Minute verstrich, und wir liessen uns nicht los. Wenn es Freunde gibt, die man 20 Jahre nicht sehen kann, die trotzdem unlöslich mit einem verbunden sind, so sind es die von AFS. Oder von anderen Austauschen. Oder die von mir unbekannten Lebenssituationen. Aber so sind wir miteinander gewandert auf diesem Abenteuer, und das verbindet. Genauso wie eine Verbindung von mir zur lieben Charlotte Pflaumenraupe steht, wie auch zu den P’s vom Bangkoker Büro, wie auch meine Cousine in Paraguay, wie auch meiner Tante, die in Amerika war. Aber doch steh ich alleine da. Denn…
Ich hatte –wenn ich mir selbst diesen Einschub an dieser emotionalen Stelle erlauben kann- in dem 2. Text von diesem aus rückwärts gezählt hinter „..meiner Welt“ ein kleines astrologisches Symbol hinterlassen. Dieser Stern stellte sich aber als Singleschnuppe auf den flimmernden Schirmen mit Bild heraus, ut consecutivum ich dies nun nachholen werde - *** gleich drei davon, und nun das Gleichzeichen= ‚meine Welt’. Ich muss bemerken, dass wir eben nicht wie wir anzunehmen fehlen von dem riesigen Schweizerkäse einjeder aus seinem Löchlein auf die Welt schaut, sondern dass wir vielmehr alle abgetrennt unseren kleinen Bildschirm haben. Also spreche ich von meiner Welt mit Recht, schliesslich mag diese weit nicht die sein, die ihr wahrnehmt… oder ihr alle existiert nicht, und ich bilde mir alles ein. Aber auch das wäre ohne Bedeutung, gibt es doch keine Anzeichen auf ein Erwachen aus solch einem unschönen Träume. Ende der Durchsage.
300 Baht Internationale Telefonkarte – was soll man damit später noch anfangen.. so dachte sich Winke aus Belgium, so genossen wir 5 –aus 5 versch. Ländern- den Spass, Menschen der ganzen Welt anzurufen. Meine Tante Muriel wird sich über die eine oder andere vielsprachige Mailboxnachricht freuen, und Gretas (Island) Vater, selbst Arzt, dachte wohl, dass ich als Internationale Greenhill Medication Company der grosse Fisch an seiner Angel bin.. weit gefehlt, es waren eben doch nur etwas weltfremde in einem Bangkoker Nobelhotel.
Und einer nach dem anderen verschwand. Einfach so. Und ausser aufrichtig traurig stimmenden Abschieden blieb uns nichts zu überstehen. Das Leben geht weiter, Menschen kommen in unser Leben, sowie sie gehen müssen, wenn der nächste an die Türe klopft. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Und so ging irgendwie irgendwo alles zu Ende. Und dann kam die neue Zeit.
Seltsamerweise ist es, als hätte ich nun ein grosses Buch zugeschlagen. Der Lederne Einband wiegt schwer, und nur mit Mühe kann ich noch soso lala darin schmöckern. Das Jahr danach. Ein Leben nach einem Leben. Es ist eben anders. Und schon WIEDER haben wir da den Kulturshock. So langsam wird das recht viel….
Seltsamerweise werde ich diesmal schliessen mit:
Morgen gehe ich in die Schule. In die ganz normale, wunderbare gymnasiale Oberstufe, die ihr alle kennt. Daher lasst euch grüssen,
der nahe Tino
oder doch fern?
Und an alle noch unterwegs – es kommt so, wie es ist. Irgendwann ist die Zeit ‚um’.
Da steh ich nun, ich armer Thor, und hab so viele Erfahrungen wie wenige hier zu Orte.
Tino, aus dem Grunde des noch zerissenen Herzens. Denn alles ist anders, gleich und dann wieder anders. Dahinter versteckt sich ein seltsames Gefühl. AFSer,ihr kennt es..
Schluss. Aber nicht Sense
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