Donnerstag, Dezember 14, 2006

Wie ein Fliegender Teppich auf den Wolken der Zeit

Schon wieder hat sich so ein langes Schweigen ergeben. Aber keine Gelgenheit, sich am Kopf kratzen, die Gruende liegen auf der Hand oder sind in meinem Terminkalender nachzulesen. Wenn ich es recht bedenke und sich meine Berechnungen nicht auf fundamental riesenhaften (nebenbei: ein “Riese” ist auf Thai: Yak) Fehlern begruendet, muesste die Zeitspanne zwischen dem hiesigen Text, den ich mir gerade nicht uebermotiviert nach einer Tasse sehr starken Kaffee (um die ich hier in Thailand immer wieder richtig kaempfen muss!)
aus den Fingerspitzen sauge und sich diese Saugstaubkraft auf die (3-fach belegten, da Thai) Tastatur ausuebt, frei nach den Physikalischen Gesetzen Herrn Dyson’s und Herrn Vorwerks, und dem vorangegangen (in dem es um Steine ging, richtig?), 3 – ich schreibe es der Nachdruecklichkeit wegen nochmal aus- Drei Wochen liegen.
Ich weiss ja nicht wie die Zeit bei euch da drueben vergeht, einmal horizontal um den Globus herum und noch ein bisschen hoeher hinauf, aber hier – Wusch! Der November ging in einem Strack dahin, zum Ende hin vollgepackt mit nennenswerten Ausfluegen (wie bitte soll sich “bpai tiau” gut uebersetzen lassen? “Besuchen gehen”, “Ausflueglern”, “Urlaub machen” – alles in einem?) Holen wir also weit zurueck, kramen wir im Errinerungsarchiv unter “Sternenhagel”, 2 Regal Links, Abteilung Nov. 2006, nach.
“Heute musste ich Ma-Miau 4 mal gruessen, um eine Anwort zu bekommen..” – Nein, nicht hier. Was ist den in der Schublade…
“Hihi! Gerade sind zwei Elefanten durch unsere Strasse gelaufen (wie immer halt so zum Fuettern etc.) – ‘wooo die grossen Eleefanten spatzieren gehn, oooohne sich zu stossen!’ “ – Nein, auch das nicht. Wo ist denn bloss.. ach, hier!
“Nach spirituell und philosophischen Gedankengaengen neigte sich die Woche zu Ende und..” – Ja, genau danach hab ich gesucht. Nun, spucken wir in die Haende. Was ist denn nun passiert?
Nach ein paar gewoehnlichen Wochen (vom Gesichtspunkt der Aktivitaeten gesehen, es ging eben in die Schule)ging es, nach einem wunderschoenen freien Donnerstag mit Lynn in Chayaphum (Provinzhauptstadt) –wir haben nur “Benoetigungen” erledigt, da es ja in meiner kleinen Ampoe-Stadt vieles einfach nicht gibt- und einer Uebernachtung bei ihr (nicht ohne gute Gespraeche, selbstgemachter Limonade und ‘Die Memoiren der Geisha’) am Freitag fuer 3 Tage nach Loei. Manch einer wird nun von seinem Schreibtischstuhl aufspringen und schreien “Das kenn’ ich doch!”.. oder so jedenfalls sollte der Idealfall bei einen aufmerksamen Mitbegleiter aussehen.
Ja. Es handelt sich mal wieder um diese wunderbare, einzigartige und doch so unbekannte (jedenfalls fuer die Herausgeber der gemeinen Reisefuehrer) Bergprovinz im Nordosten, ca. 80 km von mir weg.
Wackelig bleibt fuer mich die Aussage, ob es in euren Breitengraden auch zu diesem astrologischen Erreigniss kam, bei uns jedenfalls kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass fuer den 18./19. Nov. ein Sternenschauer angekuendigt war.
Da hat meine Lehrerin Ajan Arunocha (Head des Englishdepartments und eine liebevolle Thailady) sich doch entschieden, die Gelenheit beim Schopfe zu packen und uns alle einzuladen, mit zu ihrem Haus dort oben in den Bergen zu nehmen, insbesondere, weil dies den Namen “Haus-zum-Sternen-Schauen” traegt (Baan-Dschom-Dtao). Mit von der Reisepartie waren dann letztendlich nur ich, eine andere Lehrerin (ehem. Advisorin von Viktoria und dadurch sehr anstrengend [gut, es hat nun schon sichtlich nachgelassen], dass sie einem staendig erzaehlt was “Viktoria hier gemacht hat” und “Viki da”..), ihre zwei Enkel, eine Freundin meiner Oma, ich und Aj. Arunocha’s Mann. Mehr war nicht drin –was Aj. Arun auch traurig stimmte, da sie ja allen ihr tolles Haus zeigen wollte- weil ja fuer die gleiche Zeit die Lehrerreise nach Chiang Mai zur Blumenschau angesetzt war; ich bin aus dieser Reise (Chiang Mai) ausgetreten, da das typische ‘andere Schulen besuchen’ etc. nicht besonders vielversprechend war. Ach, und meine Mutter ist auch da mitgefahren, was mir auch den Aufenthalt bei Lynn versuesst hat, da ich mir um keine doofen Hinterruecksbemerkungen und –bewertungen Sorgen machen musste. Meine Oma (zu der Zeit zuhause gewesen) fan des ganz toll, “dass ich meine Freundinn und Lehrerin besuchen gehe und bei ihr uebernachte” und bemerkte dies mit Enthusiasmus .

Um wieder auf den Highway meiner Erzaehlung zurueckzukommen – Freitag sind wir also abgereist. Ich sass mit Aj. Sangwans Neffen (oder Enkel, was auch immer) hinten auf der Ladeflaeche, is ja klar, wir sind ja die Jungen…
Die Fahrt hab ich wieder sehr genossen. Diese endlosen Waelder mit Bambus und riesigen Baeumen, die wie ein dunkegruener Samtteppich die wallenden Berge umhuellen, die, gleich einem Riesen, der fluessiges Gestein aus einer Kanne ausgiesst, sich hinunter ins Tal waelzen und sich dort zu wohlgeformten Reisterassen verbreitern. Nachts raubten mir dann die faszinierenden Lichter und Farben aqm Firmament dann den Schlaf (weshalb ich aber keinen Groll hege), vom Orange der untergehenden Sonne zu den Rot und Gold brennenden Berghaengen bis zu den Blau- und Gruentoenen des Nachthimmels.
Gut. Aj. Arunocha’s (fuer all emit loechrigem Gedaechtnis – das “Ajan” bedeutet Lehrer ;) Haus war wirklich eine Art kleine Sternwarte und Erholungsresort auf einem Hang, in der Mitte vom Nichts, zu seinen Fuessen (gibt es Schuhe fuer Haeuser?) ein See, aus dem Nachts wie stumme Geister knochige Arme hinausgreifen, morgens die alten Baueme im Wasser wie unbewgliche Zeugen der Zeit wirken, wenn der weisse Nebel sich noch nicht aus den Falten und Taelern des Gebirges vom Wind hat vertreiben lassen. Aber wisst ihr, was wirklich den Unterschied macht? Ajan Arunocha ist eine interessierte, offene Frau, und ihre beiden Haueser sind so gar nicht typisch Thai einfach nur praktisch und zusammengewuerfelt, sondern alles ist aufeinander abgestimmt, die Fotos an den Waneden haben tatsaechlich eine Anordnung und ihr Tor wird von zwei wunderschoenen geschnizten Holzloewen (Singh) aus Chiang Mai flankiert. Sie zeig Verstaendniss und Interesse fuer andere und ist immer fuer ein (produktieves) Gespraech zu haben (das sie oft auch selbst iniziiert). Nun – der Unterschied ist: Sie ist gereist! Ja, es wirklich so! Sie war naemlich schon in Deutschland (und ist deswegen glaube ich Head of Department) und anderswo und hat den westlichen Individualismus und den Hang zur Aesthetik kennengelernt… Interessant, nich?
In den 3 wirklich netten Tagen haben wir einiges unternommen – und auch hier wieder das etwas andere Thai-Sein. Sie moegen (man lese und staune) Abenteuer! Jaaa! Daher gingen wir nicht nur zu den gewoehnlichen, mit Beton hergerichteten (damit auch ja nicht unangenehm oder gar Hinfall-gefaehrlichen) und mit Zum-Sich-Davorstellen-Und-Fotografieren-Ortsnamenschildern uebersaeten Ausflugsorten, nein, wir sind zu einem nur durch den Wald (oho! Da faengt ja schon das unueberwindbare und nicht ‘sanuuck’hafte [Spass und angenehm] Abenteuer an) zu erreichenden Wasserfall – der Wald war ausserdem ein Bambuswald, so was wollt ich schon immer mal sehn.
Ja, und dann natuerlich die Kroenung. Meine Lehrerin erzaehlt heute noch so gerne und stolz davon, was fuer ein ‘Adventure’ das war und dass sowas sonst keener meiner anderen Lehrer schon gemacht haette – wir sind mit einem It-Taek den 2-hoechsten Berg Thailands rauf, durch den urwald zu Fuss, auf einen (unbearbeiteten!) Felsen gestiegen, haben natuerlich auch die unabdingbaren Schiler-Photos gemacht, zu Fuss wieder runter und dann wieder rauf aufs it-Taek. Um euch nicht im Dunklen zu lassen, knippsen wir das Licht an: Ein It-Taek ist eine Art umgebauter Traktor (oder auch Rasenmaeher?), mit Holzpaletten zum Sitzen. Diese komischen Dinger schaffen es irgendwie, sich die unpassierbaren Furchen und ‘Wege’ der Berge hochzukrakslen und werden vom Fahrer so geleknt, dass der nicht auf die Strasse vor sich guckt, sondern auf die Raeder unter sich . Anfangs war ich schon ein bisschen verstoert von diesem Fahrer der anscheinend staendig seine ausgelatschten Schuhe betrachtet..
Ja - und sonst hab ich beim Lagerfeuer noch gelernt, wie man Kao-Lam macht (Pappreis mit Kokosnuss in Bambusrohren) und hab mindestens .. gaanz viele Sternschnuppen gesehn, dass ich mit dem Wuneschen nicht mehr nachkam. Mein Wunsch ist aber immer der Gleiche; dazu sind wir (zwei Jungen) nachts um 3 Uhr Morgens aus unserem Zelt gekrackselt (im Haus war kein Platz, das ganze war ja sowieso eine ziemlich primitive Art Huette, was ja auch gerade de Charme ausmachte) – ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie viele Sterne man da oben auf dem Berg sehen kann. Jetzt weiss ich ganz sicher: Es gibt schon ne ganze Menge von diesen misterioesen kleinen Lichlein im Himmelszelt.
Jetzt ist ein gutter Augenblick, um auf eine (fuer die Thais sehr zweifelhafte) Wohltat zu sprechen zu kommen – dort oben, und gerade in unserem Zelt war es wunderbar ka-a-alt. Ich musste nachts einen Pulli anziehen! Ihr werdet verstehen, dass das nach 4 Monaten feuchten 40 Grad eine willkommene Abwechslung war.
Sonntag gings dann wieder heim, wobei wir auf dem Heimweg noch in “Chateau de Loei” anhielten – und siehe da, es gibt hier tatsaechlich nicht nur Reis und Zuckerrohr, Bananen Drachenfruechte, auch ein paar Weinstoecke haben ihre Wurzeln in Sued-Ost-Asiatische Boden geschlagen – und das Produkt laesst sich sogar zur Essigherstellung verwenden. Aber das Hausgemachte Roseneis war sogar besser als das aus dem “Ceops” in Aix-en-Provence!
ALs wir so dahinfuhren, hielt der Vater ploetzlich an, und wir hinten, abgegrenzt und allein –schluchz- hatten keine Ahnung warum den jetzt auf dieser menschenleeren Landstrasse. Da stieg er mit einer Machete aus, und manch ein “Scream”-Kenner haette es nun mit der Angst bekommen. Seine Schritte entfernten sich aber vom Gefaehrt und fuehrten geradewegs auf eine nahebei stehende Gruppe von Bambusbaeume. Ein, zwei, drei, und 5 sechsmeter Staemme lagen regungslos (und das bei Baeumen!) auf dem Boden. Hack-Hack, und diese gesellten sich nun zu uns nach hinten auf den Pick-Up. Bambusse haben zwischen den Blaettern so keine schwarze Haerchen, die fuerchterlich jucken, und so stellten sie sich als unangenehme Zeitgenossen heraus. Um euch den Grund zu entschleiern, warum wir uns nun auch schon bei Baeumen Freunde suchen, sage ich nun gerade heraus: Essen! Typisch Thai. Diese Bambuse, die Ajans Mann am Stassenrand im Wind schuakeln sah, lassen sich zu Kao Lam verarbeiten, dem oben genannten Gericht aus der (Bambus) Roehre. Jaja.
Jetzt aber mal schnell zum Ende der Geschichte kommen. Ende. Das also waren die Sterne.. Am naechsten Morgen ging es dann (Montags) auch schon wiedr los – eintauchen in ein neues Abenteuer, fester Bestandteil eines AFS-Jahres: Der Week-Exchange. Eine Woche (durch die Reise- und Erlebnisslust der meisten Schueler gekoppelt mit der trauten, angenehmen Zweisamkeit mit Freunden [mal endlich nicht so verloren und allein] ergibt sich doch moistens dann doch leicht mal ein bisschen mehr –ich mit meinen 10 Tagen habe es ja wohl nicht uebertrieben!) einen anderen AFS, oder sagen wir es menschlicher, einen Freund besuchen, dadurch dann mal von ‘zuhause’ rauskommen und eine andre Region des Landes kennenlernen. Letzteres kommt in Thailand allerdings nicht zu knapp, wenn ich bedenke, wie vie lich bis jetzt schon gereist bin..
Morgens stieg ich also in den Bus, welcher von Chum Pae (20 km von Phu Khieo) nach Chiang Mai fuhr, Zwischenstopp Lampang, um meine liebe Lena zu besuchen, mit der sich ja hier eine sehr stabile und innerhalb meiner AFS-Welt beste Freundschaft aufgebaut hat. Meine Lehrer wollten mich eigentlich ganz alleine (oho!) nach Chum Pae den Bus nehmen und dann umsteigen lassen, haben sich es dann allerdings am selben Morgen aus unueberwindbaren undunbegruendeten Sorgen anders ueberlegt und mich gebracht. Solls eben so sein, wenn sie unbedingt eine Stunde vor Schulbeginn loswollen, muss ich 5 Baht nicht bezahlen ;)
Soll ich jetzt auch noch von der Busfahrt erzaehlen? Nein, ein kleiner dummer Kommentar am Rande.. aber die Strecke durch die Berge war so schoen, dass sogar die gegenueber der Schoenheit der wilden Natur eigentlich immunen Thais sich alle auf eine Busseite draengten und diese sich wie eine Festung hintereinander auftuermenden Berge bewunderten, wie sie dam it ihren Falten, Schluchten und ganz und gar Gruenen Gewaendern sich hinwellten. Der Bus fuhr am Rande einer dieser Schluchten entlang, und da alle Mitfahrer auf einer Busseite (die Aeussere!) sassen, neigte sich das Vehikel doch gefaehrlich zur Seite…
Irgendwann jedensfalls kam ich an. All meine Befuerchtungen, Lena (die ja sonst immer so gluecklich war, so gut Thai lernte, sich voll in ihrer Gemeinde befand und scheinbar nie Probleme hatte, all das noch verknuepft mit ihrer doch ziemlich anderen Sicht auf die ganze Sache [auf das Jahr], da sie daheim schon 3 AFSer hatten und ihre Schwester in Suedamerika war) koennte mich ziemlich vernachlaessigen oder es wuerde eine unangenehme Situation mit anderen Vorstellungen entstehen, wurden sofort weggeweht. Wir waren auch bei ihr in ihrer eigenen Stadt (Dorf?) verrueckte Freunde und hatten grossen Spass, auch MIT den Thais und unserern (ihren) Thaifreunden in ihrer Schule zusammen. Also, zur Lageerklaerung: Ich lebte dort mit einer Familie, einer Computerlehrerin und einem Polizeiofficer (was aufgrund der Positionsunterschiede mit dem Gastvater von Lena, selbst untergeordneter Polizist, unterschwelige Konflikte hervorruf). Reich, grosses Haus, die Mutter herzensgut, auch wenn sie mir dann doch ein bisschen zu viel kaufen ud zustecken wollte.
Wir gingen zusammen in die Schule, hatten aber sonst auch jeden Tag (teils auch waehrend der Schulzeit) irgendwelche Aktivitaeten und Bpai Tiau. SO waren wir in Lampang, sind dort die beruehmte Pferdekutsche gefahren (was durch die Tatsache, das die thailaend. Staedte nicht gerade schmucke Betonchaosse sind eignetlich nicht besonders angenehm war), waren auf 2 Beerdigungen, bei heissen Quellen mit Wasserfall, in Chiang Rai am Goldenen Dreieck (Laos – Burma – Thailand und zwischendrinn der Mekong), dann noch in Mae Sai, Grenzstadt zwischen Burma und Thailand und daher ein einziger, billiger Riesenmarkt mit allem, wirklich allem. Von Klamotten aus China bis zu Gold- und Rubinschmuck aus Laotischen Mienen. Letzteres war wirklich interessant, und 6 Euro fuer eine Goldkette mit Smaragden kann man dann doch mal entbehren .
In Chiang Rai war auch so ein Wat des beruehmtesten Kuenstler (Thailand hat ja nicht wirklich eine grosse Kunstszene, die auf allgemeines Interesse stoesst) fuer moderne Buddhismusmalerei, ganz aus Weiss mit Silbernen Spiegeln. Wirklich sehr schoen! In der ‘Kapelle’, also dem Innenraum, konnten Lena und ich dann noch den Kuenstler bei der Arbeit sehen, wie er (frei Hand) die Rueckwand grandios bemalte.
Auch muss noch gesagt werden, dass mein Vater, der irgendwie jeden kennt und ueberall ermaessigten Eintritt etc bekommt, uns mit zwei Polizistenkumpels in die Berge gefahrn hat, wirklich in den ewigen Wald, wo wir dann in richtig heftigen Bergdoerfern waren, und ich meine nicht diese fuer Touristen in Trachten geworfenen Menschen, wie sie im Reisefuehrer zu finden sind, nein, richtig ‘authentische’ (doofer Begriff) Bergdoerfer, wo alles selbst gemacht wird, Kleidung selbst gewebt wird, und man von Glueck doch noch einen Strommast sehen konnte. Wow. War schon ein ganz schoenes Erlebniss. Und gaaanz oben auf dem Berg besuchten wir dann eine Mandarinenfarm. Und da war auch mittem im Wald (merkt ihrs? Ich spreche / schreibe wie ein kleines Kind, dass ganz aufgeregt erzaehlt) ein Haus, von dem mein Vater antuerlich den Besitzer kannte, mit einer atemraubenden Aussicht, und! Und dort werden wir nach Lenas Weekexchange bei mir, wenn ich mit zu ihr fahre, um dann im Anschluss auf das Midstay Camp zu gehen, fuer 2 Naechte leben. Mittem im Nichts auf dem Berg. Gut Gut. Ich habe da auch vieles gelernt. Selbstmitleid von wegen “mir geht es am Schlechtesten” ist irrelevant, die Anderen haben genau so Probleme, wie ich vielesseits feststellen kann sogar weit aus mehr (ich spreche nur das Sprachniveau an, und moechte damit Marvin nicht zu oeffentlich auf die Fuesse treten.. weisst ja, wie’s geimeint is’); tatsaechlich hatte Lena bis jetzt nie Probleme mit ihrer ueberaus interessierten Familie (das ist naehmlich das Hauptproblem, mit dem wir AFSer aus dem individualistischen Europa zu kaempfen habe- Uninteresse und fehlende Komunikation.. ein ernstgemeintes “Wie wars denn?” ist hier eher selten aufzuschnappen), doch gerade waehrend ich da war, krieselte es ganz gewaltig, der Gedanke an Wechsel ging schon um, der Vater kam nicht mehr nach Hause (sondern blieb in der Polizeistation, wo alle Beamten ein ‘Apartment’ haben.. keine zu hohen Ansprueche bitte, wir sind in Thailand!), Lena wusste nicht, was sie falsch gemacht hatte, und alles basierte auf einem Streit zwischen den Eltern und das Lena’s Vater (gerechterweise!) sein Gesicht verloren hat (ganz ueble Sache hier, von wegen Gesichtsverlust etc.). Auf jeden Fall weiss ich jetzt, dass Weekexchange eine ganz tolle Sache ist und ich freue mich schon auf ihren eigenen bei im Januar. Waehrend meiner Anwesenheit gin guns sogar der Gedanke um die Sinne, wie es denn waere, wenn ich mit ihr in Chae Hom wohne.. tatsaechlich ist es so zu Zweit sehr viel einfacher, vorallem wenn wir Freunde sind und in diesem Status, wo wir nun nur noch mit Thai auskommen und uns so auch nicht mehr durch unsere “Fallang-samkeit” von der Umwelt ausgrenzen. Miteinander und doch voll im AFS-Jahr.Aaaaber all diese Gedanken sind nur Traeumereien, ich kann ja nicht so mir nichts dir nichts alle lieben Menschen, oder auch die weniger Lieben, vor den Kopf stossen und sagen “Danke! Das wars, da oben gefaellts mir besser, mit meinen Freunden”. Tatsaechlich ist der Norden sehr anders, auch von dem Verhalten, als der Isaan. Hier (Isaan) ist alles so. grob. Ich kann es jetzt so direkt nicht auf dem Punkt bringen, die Gedanken darueber sind nopch nicht so ganz fertig. Aber.. naja, dort oben gibt es ja Tourimus, und es gibt viel Kunst und schoene Dinge, Baeume, und die Leute gehen sogar Laufen in der Natur. Bei un shier ist es eher kahl, und viel aermer und so.. naja, irgendwie stumpfer.. Ich komm vll. spaeter noch einmal drauf zurueck.
Schliessen wir also jetzt auch den Week-Excahnge ab. Dadurch schreiten wir auch schon wieder in eine neue Episode des Jahres; dieses jene teilt sich naehmlich seltsamer Weise so vom Gefuehl her immer nach den AFS-Sachen ein, ganz unwillkuerlich (Arrival Camp – COC – Massage – Weekexch. ). Japp.
Soll ich jetzt aufhoeren? Ich wuerde ja noch gerne weiter erzaehlen, aber ich moechte euch nicht langweilen und eure kostbare “Ui-Es-Ist-Weihnachten” Zeit beanspruchen. Naja, wer jetzt aufhoeren will, verpasst das English Camp..
Ich kam also nach vielen neuen Dingen, Erfahrungen, Gefuehlen und allem Voran einfach nur viel Spass mit einem gutem Freund nach Hause – 2 Tage spaeter als geplant, meine Gastmutter (in Chae-Hom) hat meinen Exchange verlaengern lassen, da gerade in den naechsten Tagen an Lena’s Schule ein Festival war. Donnerstag kam ich heim, mein Mutter war fuer die paar Tage (auch am Telefon) iorgendwie sehr nett und mal nicht so mies und negative. Vll. weil sie gemerkt hat, dass es doch ganz nett ist, den Tino bei sich zu haben. Jetzt, wieder 2 Wochen spaeter, kann ich sagen: Heisse Luft, nichts als Pustekuchen, sie ist wieder so aebsch wie vorher. Was solls, mein Jahr besteht aus weitaus mehr als nur der Gastmutter, und ich lass es mir wegen dr Schwaeche in diesem Aspekt nicht besudeln! Ich geniesse es gerade voll und ganz, und da naechste Woche Mid-Stay ansteht (23 Wochen), aht ich seltsamer Weise bei mir das Gefuehl eingeschlichen, ich haette keine Zeit mehr, und schreib mir alles, was ich noch lernen und machen will auf, damit es nicht untergeht. Tatsaechlich bin ich die letzte und diese Woche komplett ausgebucht, von Ballettproben fuer die Schueler fuer das Christmas Play, ueber Seidengarn-Spinnerei zu Thai-Drachen-Machen (der Drachen in der Luft, nicht der mit dem Feuerzeug im Rachen). Wollt ihr meinen Plan wissen? Samstag morgen kommt dann noch Kannom-Krog (lecker!) machen lernen, bei meiner Lehrerin daheim. Dann noch am Nachmittag zu Aj. Sangwan, bei ihrer Nachbarin kann ich Sitzmatten-Flechten lernen. Hui!
Seidenfaeden hab ich in meiner Tasche, aber den Roten aus dieser Erzaehlung hab ich verloren.. ach, ja. Donnerstag bin ich heim, Freitag noch einmal in die Schule (sehr gut, nochmal zwischendurch Thai-Freunde sehen und Mitbringsel loswerden.. oh, wieder eine Seltsame Sache, ueber die ich mich auslassen muss). Samstag dann auf zum English-Camp. WIEDER eine Sache ovn meiner inneren Liste von Erfahrungen abzustreichen. Es war wirklich sehr gut! Das Hotel war fantastisch, unsere Schule ist fuer ihre English-Camps bekannt (sie stehen auf jeden Fall jades Jahr in “Students-Weekly”, der Thai-English Schuelerzeitung von Today). Marvin ist letztendlich doch gekommen, den ganzen Weg von Chiang Rai runter nach Bangkok, mit P’ Ahm dann wieder hoch nach Korath. P’ Ahm kam auch (ihr errinert euch, der AFS-Freiwillige [USA 1999-2000] , mit dem ich auch in Bangkok vor dem COC war), weil meine Schule ja seine Ex-Schule war. Nebenbei hab ich erfahren, dass er damals “Student of The Year” des Isaan war, einmal mehr der traurige Beleg dafuer, dass nur die Elite und die Reichen in Thailand ein Austauschjahr machen koennen.
Marvin wiederrum kann immer noch kein bisschen Thai, selbst das “Ich bin nicht hungrig” bereitet ihm Probleme. Wir hatten in unserem gemeinsamen 3er Zimmer (er natuerlich auf dem Boden [Matratze], bei uns Drei ist es der Runninggag, das Marvin immer die Gesaess-Karte zieht) zwar recht guten Spass, aber ich kann nun wieder ein bisschen aufrechter gehen und kann anhand dieses Spiegels sagen, dass ich trotz meiner Probleme hier und da doch ein ganz ordetnlicher AFSer bin. Keine Angst, die uebermaessige Eingebildetheit hab ich notgedrungen abgelegt, aber man darf sich doch mal auf die Schulter klopfen. Ich mag mich ;)
Das Camp wurde von uns, den Fallangs, geleitet. Ganz vorne stand mit seiner (wirklich lustigen) One-Mann-Show Kevin von MediaKids (die Fallang-Lehrer-Org.), wir als Schueler wurden auch richtig ernstgenommen (Lisa, Klinker-Klinker im Bezug auf unsere Mittwochs-Beschaefigung) und bekamen auch eine Gruppe zugeteilt. Oder naja, ich bekam meine Gruppe (wir nannten uns die “Tiger-Tongue”, fragt bitte nicht, warum), und Marvin half bei Ahm mit … die Thailehrer alleridngs.. naja, die sassen eigentlich die ganze Zeit dabei, und meine Mutter verliess sogar diese langgeplante Unterrichtsveranstaltung (nur einmal im Jahr), da es ja der erste Sonntag im Monat war und sie unbedingt zum Wat Dammagei musste.. ich denke mir stillschweigend bei aller religioesen Toleranz meinen Part, und laechle brav und artig.
Kurz um – jaaaa. Am Schluss gingen die Kiddis (ich meine, gut, sie sind teilweise sogar aelter als ich, aber ich life ja auch in einem schmucken Lila-Trainer-T-Shirt rum, nicht orange wie die Schueler) bei der “Abschluss-Disco” richtig ab, und sogar fuer die Talentshow, die wir als AFSer schon in Deutschland bis zum Rueckwaertsessen zugute bekamen, haben sie und alle wieder ueberrascht und ihr gewoehnliche Schuechternheit und “Bloss nicht aus der Reihe treten” (except the Gatoeis) abgelegt.. wir hatten sogar eine (richtig gute!) kleine Maus, die ganz alleine “My heart will go on” sang. Du must ihnen eben nur den Auftrag und damit eine zweifelfeste Rechtfertigung geben!

Blaaaa. Hab ich nicht noch mehr zu sagen? Oh doch! Ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wieviel mir hier wiederfaehrt. Es sind ja vorallem die Kleinigkeiten, so was wie die oben angesprochenen Elefanten, die morgens mal an mir vorbei laufen (kein Regelfall, Ausnahme!), oder wenn ich bei meiner Lehrerin uebernachte in ihrem Dorf fernab von allem zwischen den Feldern; morgens um 4:30 (‘wie immer’) mit der Grossmutter aufstehen, in der “Kueche” an einer Feuerstelle ein Feuerchen anmachen, um Kao Niau zu.. wie sagt man? ‘Steam’, eben Klebreis. Mit einer anderen Lehrerin bei ihrer Nachbarin aus Seidenraupen und –cocons Faden spinnen.
Ja, ich fange jetzt tatsaechlich an, Weben zu lernen. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr euch da die richtige Sache drunter vorstelllen koennt (ich zweifle nicht an eurer Bildung, aber ich kann manchmal schwer unterscheiden zwischen dem, was fuer mich jetzt so normal ist und dem, was ich nicht erahnen haette koennen, waere ich nicht hier hergekommen); es ist nicht einfahc nur lernen, den Webstuhl zu bedienen, der is’ nur eine Art Holzrahme/Gestell. Ich muss nun lernen, zu spinnen, Raupen fuettern, dann in einem sehr komplizierten Verfahren das Muster, das spaeter enstehen soll, auf den Faden durch verschieden lange und kurze Farbgebungen faerben (ich kann mir nach wie vor nicht vorstellen, wie man das bloss mit Vorstellungs- und Reindenckungsvermoegen richtig machen kann). Ich hab bis jetzt mit der Mutter meiner Lehrerin (diejenige, die so ganz doerflich-selbsterhaltend lebt.. sie essen eigetnlich nur, was sie selbst anbauen oder mit ihren Nachbarn tauschen) nur das eigentliche Weben gemacht, wo man den Faden mit seinen Farben dann immer in die richtige Position bringen muss. Den Stoff macht sie ausserdem fuer Eigenbedarf, wie ich nun also erfahren habe, sind all die tollen Seidenkoestueme, die hier in meiner Provinz alle Lehrer tragen, von DIESER Lehrerin (meine AFS-Advisorin) von ihrer Mutter gemacht.
Und wie mir hier gerade im Tippen auffaellt, schreibe ich gerade recht umgangsprachlich und stillos. Eine Bemerkung am Rande, damit ihr wisst, dass ich weiss, dass dies nicht der gewoehnliche, vorzugsweise angewandte Sprachgebrauch ist. In aller Regel ist dies hier ja meine Moeglichkeit mich auszuplaudern, da koennen diese oder jene Saloppetten (sprecht es nicht franzoesisch aus, dadurch wuerde es einen ganz anderen Sinn bekommen) dazwischenrutschen, in diesen Dschungel von schwarzen Symbolen, die allesamt nur Stromimpulse 1-0-1-1-0.. einer Maschine sind, und doch soviel menschliche Waerme verspruehen. Ihr merkt, ich werde tranmuetig und fange an zu delieren. Hoeren wir also geschwindt an dieser Stelle auf, beenden wir diesen Epos einmonatiger Lebenserfahrung, entlasse ich euch in den deutschen warmen Weihnachtsglanz und empfehle mich.
Bis Weihnachten lass ich gewiss nochmal was hoeren, ich bin ja jetzt wieder daheim.


Es tut mir leid, noch eine kleine Wichtigkeit – ich entschuldige mich bei allen, die mir geschrieben haben, deren Nachrichten ich mit voller Freude aufsaugte und mich an deren Lebenszeichen erwaermte.. aber nicht antwortete. Die Mails werden immer spaerlicher, Patty muss ziemlich boese sein, Carina verstimmt, Lisa kennt mich fuer schlechte Stimmung zu lange. Ich konnte nicht anders, dafuer hab ich im Nachhinein mehr Erfahrungen zu teilen; nichts desto Trotz ,
ich hoffe ihr erkrankt nicht an einer gemeinen
Ironitis-Schicksal

ruehrend im Topf des ewigen Welten-Pfuhls
Tino



Und schon wieder! Noch eine minimale Zeile, eine kleine Kundgebung, ein bisschen ‘Stille Post’- Ende dieser Woche ist es trotz meines Stutzens die Haelfte meines Jahres. Mein Kalender schwoert hoch und heilig, er luege nicht, und wie sehr sich mein biologisches uhrwerk auch straeubt und mir den anderen Takt vormetronomieren will, mir bleibt nach allem nichts weiter ueberig, als mich auf dieses Stueckchen verarbeiteten Wald zu verlassen

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Hallo Tino...
Ich habe mir eben viele deiner Berichte aus dem uns so fremden Land durchgelesen.
Ich finde es sehr interessant was du schreibst, wie du diese andere Kultur erlebst und wie diese sich -noch mehr als ich immer vermutet hatte- von unserer unterscheidet.
Ich bewundere dich für deinen Mut, diese Kultur für ein Jahr zu leben und hoffe das du nach diesem Jahr viele positive und wie man liest, vielleicht auch manche negative Erfahrungen mitbringst. Ich bin mir sicher, das dieses Jahr dich der Welt und deinem eigenen Leben nochmal viel näher bringt, und das du wohlmöglich dein Leben noch viel bewusster lebst, nachdem du ein anderes Leben kennengelernt hast.
Das kann ich dir zwar nicht aus eigener Erfahrung aber aus voller Überzeugung sagen.
Ich wünsche dir noch eine erlebnisreiche zeit, die dich persönlich noch ein ganzes stück weiter bringt.

Alles Liebe,
Anne

19:59  

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