Montag, Oktober 30, 2006

Mit Nadel und Faden

Heute nur ein paar Nebensachen, ich moechte, wie man so schoen zu sagen pflegt, mal “aus dem Naehkaestchen plaudern”.
Es gibt da so ein paar Dinge, wie cih glaueb ich schon einmal erwaehnte, die fuer mich so gewoehnlich sind, dass ich gar nicht auf die Idee komme, sie mitzuteilen – und das letzte Wort trifft es ausserdem verblueffend gut: Ich moechte so gern meine Erfahrungen, die mich zu einem gewissenhafteren, weitsichtigeren Menschen (mit ‘erweitertem Horizont’ eben) machen. Aber all diesen guten Absichten, die mir wirklich am Herzen liegen und von euch nu rein offense Ohr abverlangen, werde ich wohl eher bei meiner Rueckkehr nachgehen koennen.
Packen wir also faden und Nadel aus – was ahben wir denn da… Oh! Wichtige Neuigkeiten. Seit diesem Halbjahr geht ein Raunen durch die Schule, doch was soll man machen. Die weiblichen Mitgenossinen haben es anerzogen bekommen, sich nicht gegen Lehrer aufzulehnen und uns Jungen betrifft es ja nicht. Wie letztens beim Morgenappell kungetan wurde, muessen nun ALLE Maedchen von Mo.1 bis Mo.5 (ausgenommen also der letzten Jahrgangsstufe, Mo.6) ihre Haare kurz halten. Bis zum Auslauf der Woche muessen nun also alle Maedchen zum Friseur gerannt sein und sich die (allesamt schwarzen und ohnehin immer gleichen Haare, ausser hier und da mal die gewellten oder gar lockigen Exemplare) Haarpracht auf Schulterlaenge kuerzen lassen. Bisher war dieses Gebot nur den Schuelern von Mo.1 bis Mo.3 auferlegt. Also, dies waren also die “Nouvelles D’Importances” der vergangenen Woche.
Machen wir bei unserem bildlich gesprochenem Rundgang durch meine Naehkiste weiter – hab ich schon ein Wort ueber mein bett verloren? Also, Matratzen bestehen in Thailand so gut wie ohne Ausnaheme (was ich bis jetzt bei allen Leuten und bei allen Matratzenhaendlern beobachten konnte) aus Styropor. Ich schlafe nun schon seit 16 Wochen auf einem rechteckigen Brett aus Styropor, das nur die Last meines spitzen Ellebogens beim Lesen zu verbiegen vermag. Es ist nicht besonders gemuetlich, aber ich bin noch nicht in einem Alter, in dem mir ueber meinen Ruecken Gedanken mache. Weitaus unangenehmer ist dann doch das Kissen. Ich kann zwar nicht behaupten, dass dieses aus Styropor sei, doch scheinen Thais eine neue Methode gefunden zu haben, wie man aus ein bisschen Watte und kraeftig Beton eine Kopfunterlage herstellen kann . Das Kissen gibt auch nicht wirlich nach, und so hat mein Hals sich schon daran gewoehnt und ich stehe morgens nicht MEHR mit Nackenschmerzen auf.. alles nur von Vorteil, so kann mir auch die ungemuetlichste Couch eines Freundes nach einer Feier nichts mehr anhaben!
Inmitten dieses Labyrinthes von scheinbar unangenehmen Mitteilung ein Lichtblick, ein heller Streifen am Firmament. Wer haette es noch zu glauben gewagt! Ich moechte hier mit aller Deutlichkeit die Unverzichtbarkeit und den Wert einer tollen Thai-Oma klarstellen. Wenn man zeitweise auch an den schlechten Launen, den unbestaendigkeiten in der Gunst seiner Thai-Muetter zu leiden hat (wie ich in der vergangenen Woche), so ist eine Grossmutter doch immer gespraechig und nimmt einen immer auf alle gesellschaftlichen Events in der Gemeinde mit. Meine Oma ist da ein ganz ausgesprochenes Vorzeigeexemplar. Und sie ist so guttuend unendlich gespraechig. Was in meiner ersten Familie unertraeglich war, laueft trotz allem in meiner Neuen in schwaecherer Form weiter, und nach allem scheint es eben einfach gannz normal zu sein, dass in Thaifamilien nicht so viel miteinander konversiert wird.

Och, jetzt hab ich eine tolle Ueberleitung verpasst. Spulen wir nochmal ein paar Zeilen zurueck – “..so ist eine Grossmutter doch immer gespraechig und nimmt einen immer auf alle gesellschaftlichen Events in der Gemeinde mit”.
Hiermit rutsche ich jetzt grossartig kuenstlerisch in ein weiteres kleines Erlebniss ueber: Meine erste Hochzeit. Thaihochzeit.

Letzte Woch wurde ich beim Aerobic von einer meiner Mit-Taenzer eingeladen, zur Hochzeit ihrer Tochter am Sonntag zu kommen. Dankbar nahm ich an, und ehe ich mich versah war ich bereits von meiner Oma begleitet Sonntags Morgen, um 6:30 (Thaihochzeiten starten wohl sehr frueh..) im Auto von ihrer Freundin.
Also, das traditionelle Prozedere einer Tahihochzeit, soweit es sich auf dieser Halb-Thai-Halb-Chinesischen (ein grosser Anteil der thailandischen bevoelkerung ist chinesischstammig, wobei diese ‘Chinesen’ meistens die wohlhabenden, da verbissen arbeitenden Leute sind) miterleben durfte:

Erst wird frueh morgens mit der Hochzeitsgesellschaft (in unserem Falle auf dieser grossen, teuren, ‘protzigen’ Hochzeit die halbe Stadt, und jeder, der mehr als ein Feldarbeiter oder Ladenhaendler ist) mit einer eingeladenen Gruppe Moenche gebetet und Tamboon (Spenden fuer Moenche [die ja in Besitzlosigkeit leben]) gemacht und eben buddhistische Singsaenge anhoeren. Dieses ‘so rumsitzen’ hat mir nebenbei noch eine grosse Gunst gebracht. Ich hatte Zeit, mir all die tollen Seidenkostueme und die grosse Vielfalt von diesen Geweben anzuschauen zu beobachten. Schliesslich ist es in Thailand (um meine letzten konfusen Kritiken auf einen Punkt zu bringen) aeusserst wichtig, der Gesellschaft gegenueber seinen Stand zu zeigen, um die einem gebuehrende Behandlung zu erfahren. Und so ist es an solceh Anlaessen also ganz ueberaus wichtig, sich von seiner schmuckesten Seite zu zeigen, und die groessten Ringe und die edelsten Seidengewaender werden zur Schau getragen. Wundervoll!

Alos – von 7:00 bis 8:30 plaetscherte es also dahin. Nach einer gewissen Zeit lockerte sich das Ganze, die Moenche gingen, und man tummelte sich in den allgemeinen Gespraechen rum. S gegen 8:45 kam dann die Familie des Braeutigams in einem Marschzug (mit Musik und Palmenwedeln und so) ueber die Hauptstrasse hinzu.
Dann.. aeh, dann folgte – naja, ich bin ja in Thailand – also, was folgte war natuerlich ESSEN . Dabei wurde nicht geknausert und die grosse Gesellschaft fand sic him schoen hergerichteten Hinterhof zusammen, um an 6er-Tischen Platz zu nehmen. Ich sass mit meiner Oma und ihren Freundinnen und noch zwei Lehrern (Lehrer haben nebenbei gemerkt einen recht hohen Rang in der Gesellschaft).
Da die Familie der Braut chinesisch-stammig war, war das ganze (laaange) Essen chinesisch und nicht besonders lecker. Staendig nur irgendwelche Huehnerbruehen, aber auch fritierte Scampis etc. Die Nachtische waren auch nicht so toll, chinesische sind in der Regel immer ueberparfumiert und haben etwas von Seife. Vll. finden sie gerade deswegen bei den Suesskram liebenden Thais so viel Anklang. Auf das 2-stuendige Essen (durchweg von einer Band begleitet) folgte die wichtigste Zeremonie: Freunde und Verwandte des Brautpaares gossen nacheinander und Beglueckwuenschungen aus einer golden eingefassten Muschel geweihtes Wasser ueber die zum Wai gefalteten Haende der Brautleute. Ja, und das wars dann eigentlich schon.. eine schoene Erfahrung, interessant. Ich schreite also voran in dem Kennenlernen von Festivitaeten. Naechsten Sonntag ist Loy Kratong, einem Fest, bei dem bei Vollmond Bananenblaetter-Boote mit Kerzen auf Seeen und sonstigen Wasseransammlungen ausgesetz werden. Das soll Glueck bringen, und dir deinen Wuensche erfuellen.


Ich schliesse nun fuer heute. Noch zwei Anmerkungen sollen mir erlaubt sein:
Erstens: Ich merke, dass die Kalte Saison (entschuldigt, die ‘kuehle’ Saison, es sind immer noch nie weniger als 20 Grad) anbricht. Es hat seit Tagen nicht mehr gereget und abends wird es sichtbar angenehmer :). Oh, und ein weiteres untaeuschbares Zeichen ist, dass heute morgen meine Lehrerin in einer Jacke zur Schule kam, und mich ganz verbluefft fragte, ob mir nicht kalt sei. Hehe, wenn die etwas von unseren -20 Grad erahnen koennte..
Zweitens: Bei euch hat sich die Uhrzeit verschoben. Ja, idas brauch ich EUCH nicht erzaehlen, aber wenn ihr euch fragen moegt, wie viel Uhr es denn beim kleinen Tino (vorsicht! Ich bin gewachsen!)ist, muersst ihr ab sofort immer 6 Stunden draufpacken.

Fuehlt euch ganz leicht gedrueckt, denn auch auf zarte Wesen wie Tarah nehem ich Ruecksicht..

PS: ich hoffe, ich habndel mir jetzt nicht tausende Spams ein: tino@bhtgmbh.de
So lautet meine Email-Adresse, und dies gilt vorallem Carina, die schlauer Weise immer wieder darauf hinwies, wir sollten uns doch mal bald schreiben, doch dabei immer vergass, mir ihre eigene Adresse mitzuteilen – kleiner Schussel, du :)

Es folgt bald schon wieder mehr,
Ich fuehle mich in letzter Zeit aus lauter Langeweile und Schulalltag wieder dazu bewegt, mich mitzuteilen

Tino Bambino