Ueber Vorurteile und die Metropolen unserer Welt
Ich moechte heute wieder ueber eher gedankliche Geschehnisse meines Treibens hier reden.
Sicherlich koennte ich euch erzaehlen, dass das letzte Wochenende wunderschoen war, da eine Gruppe von Kunststudenten aus Maha-Salakan-Uiversity der schoenen Kuenste (Schwerpunkt europaeische Kunst!)hier war, um einen Zeichen-Workshop fuer die Schueler unserer Grundschule zu gestalten. Ebenso koennte ich berichten, dass dies sehr interessante Menschen waren, wir viele Ansichten ausgetauscht haben, zusammen "chillige" Abende verbracht haben und ich ihre Uni besucht habe.
Ich koentte mich weiter darueber auslassen, dass ich hier von dem Ballettprof eingeladen wurde, bei Proben mitzumachen, und dass dies einen Sturzbach von wunderschoenen Gefuehlen hervorgerufen hat (ich haette nie gemeint, dass mir diese Passion SO viel bedeutet!). Aber dass tue ich nicht - nein, heute moechte ich etwas tiefer greifen, unter die simple Oeberflaeche der Geschehnisse. Ich moechte euch erklaeren, wie ich meine Einstellung zu diesem Jahr veraendert, ja, revulotioniert habe; wie ich mich damit abfinde, das die Dinge hier manchmal gegen meinen Strich verlaufen; und in wie weit meine Freunde und Lewis mir dabei geholfen haben -
Ich habe mir in der vergangenen Woche verstaerkt Gedanken gemacht, ich wollte einem unangenehmen Gefuehl auf den Grund gehen. Seit meiner Zeit hier spuere ich mehr und mehr, wie ich zwar gluecklich bin, aber nicht zufrieden. Gluecklich bin ich insoweit, dass es mir hier gut geht. Dass ich all die faszinierenden, lehrreichen und erstaunlichen Erfahrungen machen kann, die ich mir sosehr gewuenscht habe.
Unzufrieden dagegen ist hier ganz woertlich gemeint - ich habe innerlichen Unfrieden.
War ich nach meinen Begriffen daheim doch recht ausgeglichen und hatte ich mit mir selbst Frieden geschlossen, so ist es, als haette ich all diese Eigenschaften mit meiner Reise hierhin zurueckgelassen. Es ist dieses Gefuehl, irgendetwas fehlt noch, irgendetwas verhindert mein absolutes Wohlbefinden und macht mich rastlos, doch kann ich nicht erkennen, was.
Es dauerte eine Weile, bis ich nun endlich herausgefunden habe, was mir das Geniesssen meines derzeitigen Daseins verbaut -
erstens musste ich meine Einstellung gegenueber dem ganzen Programm aendern; Der Schluesselsatz lautet:"Ich mache das hier fuer Mich!". Damit ist gesagt, ich solle versuchen,hier neue Erfahrungen zu sammeln und fuer mich in jedem Augenblick neu zu lernen, nicht, und das ist das Entscheidende, versuchen, anderer und vorallem meine voreingenommenen Erwartungen zu erfuellen. Ich habe gemerkt, dass ich vielzusehr an Vorstellungen gebunden bin, die ich mir im Vorhinein angeeignet habe.
So stoert es mich nur deshalb sosehr, das meine Familie abends so wenig miteinander unternimmt, weil ich mir vorgestellt hatte, wir wuerden hier abends zusammensitzen und reden und Fernseh gucken etc. Meine Aufgabe in der ganzen Sache bestehe darin, mich anzupassen und zu versuchen, Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Nun stellt sich aber heraus, dass ich versuchen muss, Teil einer Gemeinschaft zu werden, dessen Lebendsrythmus ich persoenlich ganz anders gestalten wuerde.
Ein weiteres Beispiel: Ich habe mich in meinen Gedanken ueber mein Jahr immer nur bei tollen Aktivitaeten gesehen. Ich hab mir vorgestellt (was ja nach den Berichten aller Ehemaligen gar nicht so abwegig und unrealistisch war), ich wuerde traditionelle ThaiInstrumente lernen, wuerde mit Freunden bummeln gehen und das alles in einer voellig neuen Umgebung. Manch einer wird sich jetzt vll. denken "Moment, aber das tut der doch alles". Damit hat er ganz Recht. Aber was er nicht sieht, und was ich auch nicht gesehen habe, ist, dass ich erst einmal zu diesem Punkt gelangen muss - zum Bummeln muss ich mir ersteinmal Freunde machen, zum Instrumente lernen muss ich erst einmal auf den Lehrer zugehen. Und wenn all diese Dinge anders ausfallen, als ich mir vorstellen wuerde, wie sie sein sollten, koennten oder wie ich sie gerne haette, dann muss ich das hinnehmen und lernen, auch diese nicht meinen Idealen entsprechenden Eigenschaften zu lieben.
Wie ein MitAFSer so schoen sagte: Das Leben ist kein Ponyhof!
Wer es bis hier hin geschafft hat, muss ich leider enttaueschen und um Verzeihung bitten - ich bin naehmlich noch nicht ganz fertig.
Nun. Ich habe also gelernt, die Dinge so zu leben, wie sie sind. Nachwie vor stellt sich aber immer noch das Problem, dass ich nicht alleine bin, um das zu tun. All die Menschen um mich herum haben auch gewisse Vorstellung von mir und Erwartungen an mich. Diesen moechte ich gerne entgegenkommen, oder eher: Ich selbst habe den Wunsch, zu bestimmten Menschen in einem ganz bestimmten Verhaeltnis zu stehen (was sich nur dann ergeben kann, wenn ich ihnen entgegenkomme..). Ich kann aber erst auf andere zugehen und mich um deren Erwartungen kuemmern, wenn ich mit mir selbst fertig bin. Ich muss erst selbst in mir Ordnung herstellen und Frieden in mich bringen, bevor ich daran gehe, nach aussen zu wirken.
Ich werde mich nun also daran setzen, wieder mein altes Selbstbewusstsein und -vertrauen wiederzuerlangen um dann zu beginnen, alles auf mich zukommen zu lassen...
Fischfisch - noch ein paar "praktische" Anmerkungen:
Seit einigen Tagen haben wir wieder Nachschub an Foreignteachern bekommen. Zwei Frauen, beide von den Phillipinen. Eine von ihnen, Jenny Mapula (ich liebe diesen Namen! Lasst ihn euch auf eurer Zunge zergehen), hat sich sofort an mich gehaengt und gemeint, wir muessen "als zwei Foreigners" doch zusammmenhalten.
Nachdem ich das Buch ueber Religionsfrage und Weltanschauung (daher auch der Verweis oben auf Lewis und die Freunde) "Pardon, ich bin Christ" verschlungen habe, ist es sehr gut, jemanden so gescheites (und obendrein Baptistin) zum Reden zu haben. Meine anfaengliche Sorge, ich wuerde dieses Jahr auf intelektuelle Gespraeche verzichten muessen ist wohl nun ueberholt.
PS: Ich habe da etwas ganz tolles der Bangkok Post gelesen. Wenn ich wieder komme, koenne wir damit zusammen nach Paris gehen oder Wien oder sonst eine tolle Stadt. Lest es euch durch, ich denke, eine Anmeldung lohnt sich (ist ja ohnehin kostenfrei)
www.hospitalityclub.org - - - -
Sicherlich koennte ich euch erzaehlen, dass das letzte Wochenende wunderschoen war, da eine Gruppe von Kunststudenten aus Maha-Salakan-Uiversity der schoenen Kuenste (Schwerpunkt europaeische Kunst!)hier war, um einen Zeichen-Workshop fuer die Schueler unserer Grundschule zu gestalten. Ebenso koennte ich berichten, dass dies sehr interessante Menschen waren, wir viele Ansichten ausgetauscht haben, zusammen "chillige" Abende verbracht haben und ich ihre Uni besucht habe.
Ich koentte mich weiter darueber auslassen, dass ich hier von dem Ballettprof eingeladen wurde, bei Proben mitzumachen, und dass dies einen Sturzbach von wunderschoenen Gefuehlen hervorgerufen hat (ich haette nie gemeint, dass mir diese Passion SO viel bedeutet!). Aber dass tue ich nicht - nein, heute moechte ich etwas tiefer greifen, unter die simple Oeberflaeche der Geschehnisse. Ich moechte euch erklaeren, wie ich meine Einstellung zu diesem Jahr veraendert, ja, revulotioniert habe; wie ich mich damit abfinde, das die Dinge hier manchmal gegen meinen Strich verlaufen; und in wie weit meine Freunde und Lewis mir dabei geholfen haben -
Ich habe mir in der vergangenen Woche verstaerkt Gedanken gemacht, ich wollte einem unangenehmen Gefuehl auf den Grund gehen. Seit meiner Zeit hier spuere ich mehr und mehr, wie ich zwar gluecklich bin, aber nicht zufrieden. Gluecklich bin ich insoweit, dass es mir hier gut geht. Dass ich all die faszinierenden, lehrreichen und erstaunlichen Erfahrungen machen kann, die ich mir sosehr gewuenscht habe.
Unzufrieden dagegen ist hier ganz woertlich gemeint - ich habe innerlichen Unfrieden.
War ich nach meinen Begriffen daheim doch recht ausgeglichen und hatte ich mit mir selbst Frieden geschlossen, so ist es, als haette ich all diese Eigenschaften mit meiner Reise hierhin zurueckgelassen. Es ist dieses Gefuehl, irgendetwas fehlt noch, irgendetwas verhindert mein absolutes Wohlbefinden und macht mich rastlos, doch kann ich nicht erkennen, was.
Es dauerte eine Weile, bis ich nun endlich herausgefunden habe, was mir das Geniesssen meines derzeitigen Daseins verbaut -
erstens musste ich meine Einstellung gegenueber dem ganzen Programm aendern; Der Schluesselsatz lautet:"Ich mache das hier fuer Mich!". Damit ist gesagt, ich solle versuchen,hier neue Erfahrungen zu sammeln und fuer mich in jedem Augenblick neu zu lernen, nicht, und das ist das Entscheidende, versuchen, anderer und vorallem meine voreingenommenen Erwartungen zu erfuellen. Ich habe gemerkt, dass ich vielzusehr an Vorstellungen gebunden bin, die ich mir im Vorhinein angeeignet habe.
So stoert es mich nur deshalb sosehr, das meine Familie abends so wenig miteinander unternimmt, weil ich mir vorgestellt hatte, wir wuerden hier abends zusammensitzen und reden und Fernseh gucken etc. Meine Aufgabe in der ganzen Sache bestehe darin, mich anzupassen und zu versuchen, Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Nun stellt sich aber heraus, dass ich versuchen muss, Teil einer Gemeinschaft zu werden, dessen Lebendsrythmus ich persoenlich ganz anders gestalten wuerde.
Ein weiteres Beispiel: Ich habe mich in meinen Gedanken ueber mein Jahr immer nur bei tollen Aktivitaeten gesehen. Ich hab mir vorgestellt (was ja nach den Berichten aller Ehemaligen gar nicht so abwegig und unrealistisch war), ich wuerde traditionelle ThaiInstrumente lernen, wuerde mit Freunden bummeln gehen und das alles in einer voellig neuen Umgebung. Manch einer wird sich jetzt vll. denken "Moment, aber das tut der doch alles". Damit hat er ganz Recht. Aber was er nicht sieht, und was ich auch nicht gesehen habe, ist, dass ich erst einmal zu diesem Punkt gelangen muss - zum Bummeln muss ich mir ersteinmal Freunde machen, zum Instrumente lernen muss ich erst einmal auf den Lehrer zugehen. Und wenn all diese Dinge anders ausfallen, als ich mir vorstellen wuerde, wie sie sein sollten, koennten oder wie ich sie gerne haette, dann muss ich das hinnehmen und lernen, auch diese nicht meinen Idealen entsprechenden Eigenschaften zu lieben.
Wie ein MitAFSer so schoen sagte: Das Leben ist kein Ponyhof!
Wer es bis hier hin geschafft hat, muss ich leider enttaueschen und um Verzeihung bitten - ich bin naehmlich noch nicht ganz fertig.
Nun. Ich habe also gelernt, die Dinge so zu leben, wie sie sind. Nachwie vor stellt sich aber immer noch das Problem, dass ich nicht alleine bin, um das zu tun. All die Menschen um mich herum haben auch gewisse Vorstellung von mir und Erwartungen an mich. Diesen moechte ich gerne entgegenkommen, oder eher: Ich selbst habe den Wunsch, zu bestimmten Menschen in einem ganz bestimmten Verhaeltnis zu stehen (was sich nur dann ergeben kann, wenn ich ihnen entgegenkomme..). Ich kann aber erst auf andere zugehen und mich um deren Erwartungen kuemmern, wenn ich mit mir selbst fertig bin. Ich muss erst selbst in mir Ordnung herstellen und Frieden in mich bringen, bevor ich daran gehe, nach aussen zu wirken.
Ich werde mich nun also daran setzen, wieder mein altes Selbstbewusstsein und -vertrauen wiederzuerlangen um dann zu beginnen, alles auf mich zukommen zu lassen...
Fischfisch - noch ein paar "praktische" Anmerkungen:
Seit einigen Tagen haben wir wieder Nachschub an Foreignteachern bekommen. Zwei Frauen, beide von den Phillipinen. Eine von ihnen, Jenny Mapula (ich liebe diesen Namen! Lasst ihn euch auf eurer Zunge zergehen), hat sich sofort an mich gehaengt und gemeint, wir muessen "als zwei Foreigners" doch zusammmenhalten.
Nachdem ich das Buch ueber Religionsfrage und Weltanschauung (daher auch der Verweis oben auf Lewis und die Freunde) "Pardon, ich bin Christ" verschlungen habe, ist es sehr gut, jemanden so gescheites (und obendrein Baptistin) zum Reden zu haben. Meine anfaengliche Sorge, ich wuerde dieses Jahr auf intelektuelle Gespraeche verzichten muessen ist wohl nun ueberholt.
PS: Ich habe da etwas ganz tolles der Bangkok Post gelesen. Wenn ich wieder komme, koenne wir damit zusammen nach Paris gehen oder Wien oder sonst eine tolle Stadt. Lest es euch durch, ich denke, eine Anmeldung lohnt sich (ist ja ohnehin kostenfrei)
www.hospitalityclub.org - - - -
2 Comments:
Obwohl ich dich schon seid deinem 2 Lebensjahr kenne und wir sied dem auch Freunde sind: Du überrascht mich immer wieder und ich lerne eine neue seite von dir kennen. Ich merke, dass du dich veränderst und Dinge auch von einer ganz anderen Seite sehen kannst, was ich bewundernswert finde wie ich gestehen muss. Vielleicht ist es auch dir aufgefallen, dass ach deine Einträge sich verändern und immer mehr tieferen Wert erhalten. Ich freu mich schon darauf, wenn du wieder da bist und wir zusammen wieder reden können...
lisa
ein wunderschöner text der genau das wiederspiegelt, wie ich es noch von mir kenne. Mach weiter so
Namphon
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